Seminarprogramm 2018

Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen im Land Brandenburg“ startet die IV. Projektphase

Seit dem Jahr 2009 laufen die Bestrebungen, Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen einzuführen. Der Projektträger, AWO Bezirksverband Potsdam e.V., das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF), das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), die AOK Nordost und die Unfallkasse Brandenburg (UKBB) wollen mit dieser Initiative Sicherheit und Gesundheit an Schulen entwickeln helfen sowie die gesundheits- und bildungsbezogene Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlicher fördern.

Das Modellprojekt wird in Brandenburg seit August 2016 durch das MASGF, das MBJS, die AOK Nordost und die Unfallkasse Brandenburg unterstützt. Der Machbarkeitsstudie im Land Brandenburg als Projektphase I, folgte die Erarbeitung eines Curriculum für die Qualifizierungsmaßnahme von examinierten Gesundheits- und Kinder- / Krankenpflegekräften zu Schulgesundheitsfachkräften (SGFK) als Projektphase II, die Einstellung von 10 Schulgesundheitsfachkräften, die Durchführung der Qualifizierungsmaßnahme und der modellhafte Einsatz der 10 Schulgesundheitsfachkräfte an 20 Schulen im Land Brandenburg als Projektphase III.

Auf dem Kindergesundheitsgipfel 2018 konnte ein Beschluss vom Plenum zur weiteren Umsetzung des Modellprojektes „Schulgesundheitsfachkräfte“ im Land Brandenburg gefasst werden. Dafür hat das Plenum die Landesregierung sowie die Sozialversicherungsträger gebeten, eine Weiterführung und Weiterentwicklung des Modellprojektes über den 31. Oktober 2018 hinaus zu unterstützen. Auf der Grundlage dieses Beschlusses soll sich im Modellprojekt eine Projektphase IV anschließen, die einen Zeitrahmen vom 01.11.2018 bis zum 31.12.2020 umfasst.

Am 4. Oktober 2018 wurden auf einer Fachtagung in Potsdam die Ergebnisse der Evaluationen vorgestellt. Bereits in den knapp 18 Monaten des Einsatzes von Schulgesundheitsfachkräften in der dritten Projektphase zeigt sich demnach, dass der Bedarf an gesundheitlicher Versorgung im Setting Schule sehr hoch ist. Eine ständige Präsenz von Schulgesundheitsfachkräften an den Schulen sollte gewährleistet und die bessere Betreuung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher möglich sein, weshalb eine kontinuierliche und verlässliche Arbeit der Schulgesundheitsfachkräfte an den Schulen anzustreben ist.

Der Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte in der Projektphase III hat gezeigt, dass alle Beteiligten von der Einführung der neuen Fachkräfte profitieren:

-    Kinder und Jugendliche,

-    Schulpersonal, insbesondere die Lehrkräfte,

-    Eltern / Sorgeberechtigte,

-    Gesundheits- und Kinder- / Krankenpflegekräfte und

-    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, insbesondere des Kinder-
     und Jugendgesundheitsdienstes (KJGD).

Für Kinder und Jugendliche, die allgemeinbildende Schulen besuchen, geht es um einen Beitrag zur

-    Verbesserung der gesundheitlichen Lage und Versorgung sowie Stärkung der
     Gesundheitskompetenz,

-    frühzeitige Entdeckung von gesundheitlichen Problemen und eine entsprechende
     Hilfestellung, auch aus armutsgefährdenden Aspekten heraus,

-    Verringerung der krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten,

-    Verbesserung der Lernsituation insbesondere von Schülerinnen und Schülern, die
     chronisch krank, beeinträchtigt und behindert sind, in den Regelschulen,

-    Verbesserung der Lernvoraussetzungen für gesundheitlich und/oder sozial belastete
     Schülerinnen und Schüler sowie

-    Verbesserung der Bildungschancen und der Ausbildungsfähigkeit für Schülerinnen
     und Schüler an allgemeinbildenden Schulen im Allgemeinen und für gesundheitlich
     und/oder sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler im Besonderen.

Für das Schulpersonal, insbesondere die Lehrkräfte, geht es um einen Beitrag zur

-    Entlastung von nicht originären, freiwilligen gesundheitsbezogenen Aufgaben,

-    Arbeitszufriedenheit,

-    Verringerung der krankheits- oder unfallbedingten Fehlzeiten,

-    Verbesserung des eigenen Gesundheitsverhaltens und Stärkung der eigenen
     Gesundheitskompetenz, auch im Sinne einer Vorbildfunktion für die Kinder und
     Jugendlichen sowie

-    Erhöhung des subjektiven Gesundheits- und Wohlbefindens.

Mit Blick auf die Eltern / Sorgeberechtigten geht es darum, dass

-    sie wissen, in welchen Fällen eine medizinisch-pflegerische Fachkraft die
     Erstversorgung übernimmt,

-    die Schnittstelle identifiziert und beschrieben wird, die sich ergibt, wenn:

     o  ein chronisch krankes Kind von einer Person in der Schule versorgt oder in diese
         begleitet wird, deren Tätigkeit sich aus anderen rechtlichen und/oder vertraglichen
         Regelungen ergibt (z.B. eine Pflegefachkraft bei einer 24h-Intensivversorgung,
         Assistenzpflege als Sachleistung gem. SGB XI oder Einzelfallhelfer gem. SGB XII),

     o  ein akut krankes oder verunfalltes Kind bis zur Veranlassung der weiteren
         Versorgung in der Schule versorgt wird,

-    eine Entlastung der Eltern durch die Schulgesundheitsfachkraft erfolgt, da sie ihr Kind
     nicht mehr bei geringfügigen gesundheitlichen Einschränkungen von der Schule
     abholen müssen,

-    Eltern (v.a. Mütter) von chronisch kranken Kindern und Kindern mit Behinderungen in
     Bezug auf ihre Erwerbstätigkeit entlastet werden.

Für examinierte Gesundheits- und Kinder- / Krankenpflegekräfte geht es um die Möglichkeit, in einem Handlungsfeld an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und Bildung tätig zu werden, welches familienfreundliche Arbeitszeiten und ein wohnortnahes Arbeitsplatzangebot bietet und auch für Fachkräfte geeignet ist, die aufgrund der körperlichen Beanspruchungen im Pflegebereich ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in vollem Umfang ausüben können.

Mit Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes geht es um die fachliche Zusammenarbeit zwischen Schulgesundheitsfachkraft, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und zahnärztlichem Dienst bezogen auf schulrelevante Gesundheitsbedarfe:

-    Unterstützung in der Betreuung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit
     schulrelevanten Gesundheitsstörungen, chronischen körperlichen und psychischen
     Erkrankungen bzw. Behinderungen,

-    Zusammenarbeit bei den Schuleingangs- und Schulabgangsuntersuchungen

-    Mitwirkung bei zahnärztlichen Maßnahmen in der Schule

-    Mitwirkung bei der nachgehenden Gesundheitsfürsorge,

-    Unterstützung in der Umsetzung bedarfsbezogener Maßnahmen in der Prävention,
     Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Versorgung (z.B. abgeleitet aus der
     Gesundheitsberichterstattung des KJGD) sowie

-    Unterstützung des KJGD bei der Beratung der Schule zu Maßnahmen des
     Gesundheitsschutzes (z.B. Hygienemaßnahmen bei Infektionsgeschehen,
     Impfungen).

Eine künftige Anbindung an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst wird überprüft.

Ein weiteres Ziel ist die Prüfung des Tätigkeitsprofils der Schulgesundheitsfachkräfte unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten auf Bedarfsgerechtigkeit.

Tätigkeiten und Aufgabenbereiche der Schulgesundheitsfachkräfte

Die Tätigkeiten und Aufgabenbereiche der Schulgesundheitsfachkräfte stellen sich wie folgt dar:

(1)    Gesundheitliche Versorgung

(2)    Gesundheitsförderung und Prävention

(3)    Früherkennung

(4)    Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen /
         Behinderungen bzw. nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit von der
         Schule

(5)    Ansprech- und Vertrauensperson für Schülerinnen und Schüler mit
        gesundheitlichen Auffälligkeiten

(6)    Interdisziplinäre außerschulische Kooperation

Durchführung des Modellprojektes in der IV. Projektphase

Die Modellprojektphase IV (01.11.2018 – 31.12.2020) beginnt im Land Brandenburg mit der Qualifizierungsmaßnahme für 10 neueingestellte Fachkräfte: Auf eine einmonatige Vollzeitqualifizierungsmaßnahme folgt eine tätigkeitsbegleitende Qualifizierung in Form von Blockveranstaltungen während der Ferien und E-Learningzeiten. Die Weiterbildung ist im Februar 2020 abgeschlossen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass die Fachkräfte vor dem Einsatz in den Schulen mit dem neuen Tätigkeitsfeld vertraut werden und durch die tätigkeitsbegleitende Phase eine besondere Unterstützung des angestrebten Theorie-Praxis-Transfers durch kontinuierliche angeleitete Reflexion und Erweiterung der erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten erhalten.

Die Tätigkeit an den Modellschulen wird von den in der III. Projektphase angestellten Schulgesundheitsfachkräften weitergeführt, der Einsatzort ist jeweils an einer Schule. Im Dezember 2018 werden die neuangestellten Schulgesundheitsfachkräfte ihren Einsatz an den Schulen beginnen.

Der Projektträger stellt die Begleitung und Unterstützung der Schulgesundheitsfachkräfte sicher, führt zweimonatlich einen Reflexionstag durch und bietet bei Bedarf Fortbildungen an. Weiterhin werden die Schulgesundheitsfachkräfte monatlich an einer Supervision teilnehmen.

Die Zusammenarbeit mit dem Bundesland Hessen wird auch in der IV. Projektphase erfolgen. Im Jahr 2018 gründete sich ein bundesweites Netzwerk „Schulkrankenschwestern“. In diesem Netzwerk arbeiten die im Modellprojekt tätigen Schulgesundheitsfachkräfte und der Projektträger mit.

Der alternierende Vorstandsvorsitzende der Unfallkasse Brandenburg, Herr Claus Heuberger, äußerte sich am Rande der Fachtagung in Potsdam zur Bedeutung des Projektes aus der Sicht der Unfallkasse:

„Die Entwicklung eines Sicherheits- und Gesundheitsbewusstseins und die Aneignung entsprechender Kompetenzen erfordert eine frühzeitige Sensibilisierung und aktives Erlernen, um später eine bewusste Umsetzung von Präventionsprinzipien zu ermöglichen. Bildungseinrichtungen sind daher für die Vermittlung von Sicherheit und Gesundheit ein bedeutsames Betätigungsfeld. Aktivitäten der Prävention und Gesundheitsförderung müssen hier nachhaltig angelegt werden, um Sicherheit und Gesundheit als Werte für die Gesellschaft zu thematisieren und im Denken und Handeln zu integrieren. Dann werden Sicherheit und Gesundheit als Werte gelebt und vorgelebt und ein kultureller Veränderungsprozess ist vollzogen. Das Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen im Land Brandenburg“ ist ein gelungenes Beispiel dafür. Die Schulkrankenschwestern kümmern sich nicht nur um die Erstversorgung von verletzten Kindern und organisieren Präventionsprojekte, sie sind darüber hinaus wichtige (und erfolgreiche) Akteure bei der Etablierung einer Kultur der Prävention in den Schulen.“

Quellen: AWO BV Potsdam, Zitat C. Heuberger, Bilder UKBB

Den Projektfilm finden Sie unter:

https://www.awo-potsdam.de/projekte/schulgesundheitsfachkraefte-im-land-brandenburg.html


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