Sicher arbeiten im anatomischen Praktikum
Gesetzliche Unfallversicherung arbeitet an Schutzmaßnahmen
Im Auftrag der Unfallkassen arbeitet das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) an technischen Maßnahmen, um die Formaldehydkonzentration an Präpariertischen zu begrenzen. Der Grund: Ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert für das keimtötende und konservierende Formaldehyd ist in vielen Anatomiesälen mit der derzeitigen technischen Ausstattung nicht einzuhalten. An einigen Universitäten hat dies bereits zu Änderungen im Anatomie-Unterricht geführt.
Mit Formaldehydlösung (Formalin) werden in der Medizin Körperspenden für anatomische Studien konserviert. Beim Fixieren der Körper mit Formalin und auch während der Praktika an den präparierten Körperspenden, wie sie der Lehrplan für angehende Mediziner vorsieht, wird Formaldehyd an die Umgebungsluft abgegeben. Seit November 2014 gilt für Formaldehyd in Deutschland ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert, der bei 0,37 Milligramm pro Kubikmeter Luft liegt.
Die Unfallversicherungsträger haben in mehreren anatomischen Instituten die Expositionssituation gegenüber Formaldehyd untersucht und festgestellt, dass der neue Grenzwert an einigen Stellen überschritten wird. Nur wenn die technischen Schutzmaßnahmen aufeinander abgestimmt sind, kann der Arbeitsplatzgrenzwert eingehalten werden. Präpariertische mit Absaugung einerseits und Raumlüftungsanlagen andererseits müssen sich im Sinne eines optimierten, ineinandergreifenden Luftführungskonzeptes ergänzen.
Das wollen IFA und Unfallkassen erreichen. Gemeinsam entwickeln und prüfen sie neue lüftungstechnische Lösungen, die noch in diesem Jahr verfügbar sein sollen.
Bis dahin können organisatorische Schutzmaßnahmen helfen, den Praktikumsbetrieb aufrecht zu erhalten:
- Es können weniger Körperspenden pro Saal präpariert werden.
- Studierende können sich bei der Arbeit direkt am Präparat häufiger abwechseln.
- Einsatzpläne können die Aufenthaltsdauer in den Sälen für Lehrkräfte verkürzen und
so die Exposition verringern: Beispielsweise sind theoretische Einführungen auch
außerhalb der Präpariersäle möglich.
- Auch das Herabsetzen der Raumtemperatur ist eine wirksame flankierende
Maßnahme.
Hintergrund Formaldehyd
Formaldehyd wurde mit der sechsten Änderungen der europäischen CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen) als erwiesenes Tierkanzerogen mit möglicher Übertragbarkeit auf den Menschen (Kanzerogen Kategorie 1B) eingestuft. Der neue Grenzwert stellt sicher, dass die toxikologische Wirkschwelle von Formaldehyd unterschritten wird und keine gesundheitsschädigenden Wirkungen auftreten.